Bericht aus der Zeitschrift
07/2001
Stahlwandbecken fürs Leben
Die zwei Stahlwandbecken im Test ("Kit Aqua Family Splash" und "Kombipool
Klassik") sind sozusagen eine Entscheidung fürs Leben. Sie bestehen aus
einer Stahlwand, die mit einer Folie ausgekleidet wird. Zum Montieren der
Filteranlage muss die Folie mehrmals durchbohrt werden. Es ist praktisch
unmöglich, bei einem weiteren Aufstellen die Folie wieder ganz genau so
einzulegen, dass die Löcher zu den dazugehörenden Anschlüssen passen.
Oft sind Erdarbeiten nötig
Vor dem Aufstellen sind oft Erdarbeiten nötig. Rasen, Steine und Äste
müssen entfernt, der Boden mit Latte und Wasserwaage planiert werden. Für
die, wie es heißt, sich selbst aufstellenden Becken "Easy Set" und "Magic
Pool" ist damit der Großteil der Arbeit erledigt. Mit Blasebalg wird ein
Plastikring aufgeblasen, an dem die Beckenfolie befestigt ist. Beim Befüllen
schwimmt der Ring hoch, das Becken stellt sich auf. "The Wet Set" ist ein
ebenfalls einfach aufzustellendes System aus Plastikrohrrahmen und Plane.
Bei diesen drei Becken ist die Aufstellprozedur einigermaßen praxisnah beschrieben.
Bloß kein Wind
Ganz im Gegensatz zu den beiden schon erwähnten Stahlwandbecken: Laut
Anleitung braucht man zwei bis drei Personen, außerdem sollen die Becken
nicht bei Wind aufgestellt werden. Bei unseren Tests genügte jedoch schon
ein Lufthauch, um das Einfädeln der Stahlwand in die kreisrund aufzulegende
Bodenschiene zu verhindern. Mit vier Personen war das Aufstellen gerade
möglich. Die stundenlange Prozedur ist aber noch nicht erledigt, wenn die
Stahlwand in den Schienen steht. Dann muss die Folie eingezogen und faltenfrei
auf dem Boden ausgelegt werden. Was nicht in der Anleitung steht: Ist sie
nicht absolut gleichmäßig am Beckenrand befestigt, bricht der Beckenrand
beim Befüllen nach innen ein. Falls das alle Teile überhaupt "überleben",
heißt das: zurück zum Anfang. Und dabei kann man sich sogar noch weh tun:
Die Schienen, die die Folie am Beckenrand befestigen (und gleichzeitig als
Handlauf dienen), sind da, wo sie aneinander stoßen, so scharfkantig, dass
man bei der Montage höllisch aufpassen muss.
Beckenhydraulik funktioniert nicht
Auch wenn die getesteten Becken von der Bauart her sehr verschieden sind,
eines haben sie gemeinsam: Bei keinem funktioniert die Beckenhydraulik wirklich;
die Durchströmung ist einfach zu schwach. Normwerte, wie sie für kommerzielle
Schwimmbäder sinnvollerweise gelten, werden nicht annähernd erreicht. Folge:
In keinem der getesteten Becken hatte das Wasser nach sechs Betriebstagen
noch Badewasserqualität. Wer keine zusätzlichen Maßnahmen ergreift, und
das heißt in diesem Fall: selbst im Becken "umrührt", läuft Gefahr, dass
es zu einer ungehemmten Keimvermehrung mit all ihren Folgen (von Durchfall
bis zur Übertragung von Krankheiten) kommt. Selbst - großzügige - Zugabe
von Chlor über die Filteranlage bliebe ohne den gewünschten Erfolg, da es
im Becken nur unzureichend verteilt wird.
Schlechte Filterleistung
Auch die Leistungen der Filterpumpen waren durchwegs unzureichend. Verschlechtert
wurde das Ergebnis noch durch zwei Faktoren: Die Leistungsfähigkeit der
Pumpen vermindert sich rapide mit dem Verschmutzungsgrad der Filter. Außerdem
schreiben alle Hersteller vor, die Pumpe während des Badebetriebs aus Sicherheitsgründen
auszuschalten, was den Umlaufzyklus weiter drastisch verschlechtert. Als
Ausnahme erzielte "The Wet Set" mit einem Umlaufzyklus von zweieinhalb Stunden
in neuem Zustand noch den besten Wert.
Schwachpunkt Beckenhygiene
Alle Becken sind mit Kartuschen-Filtern ausgerüstet, die aus der Sicht
der Beckenhygiene unzureichend sind. Neben schlechter Filterwirkung haben
sie zwei entscheidende Mängel: Der Grad der Verunreinigung ist praktisch
nicht erkennbar (bestenfalls durch sichtbare Ablagerungen oder wenn die
Filteroberfläche sich schlitzig anfühlt, aber dann ist bereits "Alarmstufe
rot" ). Zudem sind die Reinigungsmöglichkeiten der Kartuschen eher gering.
Laut Herstellern soll man die Filter ausspülen und mit einer Bürste reinigen.
Doch durch das Ausspülen werden die Verunreinigungen in den Falten nicht
beseitigt, und beim Reinigen mit der Bürste kann der Filterkarton leicht
beschädigt werden.
Sandfilteranlage wäre besser
Sinnvoll wäre daher der Kauf einer Sandfilteranlage mit entsprechend
dimensionierter Pumpe (siehe Kasten): Sandfilter werden durch Rückspülen
gereinigt, wodurch sich auch der Frischwasser-Bedarf des Beckens reguliert.
Wollen Sie reines Wasser haben, bleibt es nicht bei dieser einen Zusatzausgabe:
Wegen der schlechten Beckenhydraulik hatte sich beim Testbetrieb schon nach
einzelnen Tagen Schmutz am Beckenboden abgelagert, der nur mit einem Bodensauger
entfernt werden kann. Bei keinem der Testbecken wird ein Bodensauger mitgeliefert,
die Filterpumpen haben auch keine Anschlüsse für Bodensauger, was abermals
Extrakosten bedeutet